Die Gelenk-Triebwagen der ehemaligen Regionalverkehr Mittelland AG (RM) - Ein Stück Verkehrsgeschichte im Mittelland
Die Gelenk-Triebwagen der einstigen Regionalverkehr Mittelland AG (RM) stellen ein bedeutendes Kapitel in der Entwicklung des öffentlichen Verkehrs im Schweizer Mittelland dar. Sie verkörpern nicht nur eine technologische Etappe, sondern spiegeln auch den Wandel der regionalen Mobilität und die zunehmende Bedeutung effizienter, moderner Nahverkehrsmittel wider.
Im Jahr 2003 stellte die RM sechs dreiteilige Triebzüge des Typs RABe 526 mit den Nummern 260 bis 265 in Dienst. Diese sogenannten GTW 2/6 (Gelenktriebwagen) bestanden aus einem zentralen zweiachsigen Motorwagen und je einem Steuerwagen an den beiden Zugenden. Bereits ein Jahr später, im Jahr 2004, folgte eine zweite Serie mit sieben weiteren Fahrzeugen der Nummern 280 bis 286. Diese Einheiten wurden, im Unterschied zu ihren Vorgängern, ab Werk in der vierteiligen Ausführung GTW 2/8 mit einem zusätzlichen Zwischenwagen ausgeliefert, was ihre Kapazität und Flexibilität im Betrieb deutlich erhöhte.
Mit der Fusion der RM mit der BLS im Jahr 2006 gingen sämtliche GTW-Fahrzeuge in den Bestand der BLS AG über. Um dem gestiegenen Fahrgastaufkommen gerecht zu werden, entschlossen sich die BLS und der Kanton Solothurn dazu, auch die ursprünglich kürzeren GTW 2/6 in den Jahren 2009 und 2010 durch das Einfügen eines zusätzlichen Wagens aufzuwerten. Dadurch erhielten alle Triebzüge eine weitgehend einheitliche, vierteilige Erscheinung und konnten besser auf den Bedarf im Regionalverkehr abgestimmt eingesetzt werden.
Nach mehreren Jahren im Dienst der BLS wechselten alle Einheiten schließlich in den Bestand der SBB und versehen heute ihre letzten Dienstjahre bei der SBB-Tochtergesellschaft "Thurbo". Auch wenn ihre Einsatzzeit sich nun langsam dem Ende nähert, bleibt ihr Beitrag zur regionalen Mobilität und zur technischen Weiterentwicklung des Nahverkehrs unbestritten.
Die Erhaltung eines solchen Gelenktriebwagens war für uns von grossem Interesse. Sie hätte nicht nur dem technischen Denkmalschutz gedient, sondern auch einen wichtigen Beitrag zur Bewahrung regionaler Identität und Verkehrskultur geleistet. Ein betriebsfähiges Fahrzeug hätte zukünftigen Generationen ermöglicht, die Geschichte und Entwicklung des regionalen öffentlichen Verkehrs im Mittelland unmittelbar zu erleben.
Im Lichte der aktuellen Entwicklungen hat sich jedoch gezeigt, dass dieses Vorhaben nicht umgesetzt werden kann. Die GTW-Fahrzeuge werden vollständig an den Hersteller Stadler zurückgeführt, umfassend renoviert und anschliessend an die ungarischen Staatsbahnen weiterverkauft. Damit ist eine Verfügbarkeit einzelner Fahrzeuge für eine historische Erhaltung in der Schweiz leider nicht mehr gegeben.
Auch wenn wir diesen Entscheid bedauern, respektieren wir die gewählte Lösung, die den Fahrzeugen ein zweites Leben ermöglicht und gleichzeitig einen sinnvollen Beitrag zum Personenverkehr in Ungarn leistet.